Heavenly Maiden Tanka

BABA Akiko: Heavenly Maiden Tanka. Translated by Hatsue Kawamura and Jane Reichhold. AHA Books, 1999. Perfect bound, 128 pp., $10.00; ISBN 0-944676-42-1.

Baba Akikos Lyrik

Mit Heavenly Maiden Tanka haben Hatsue Kawamura und Jane Reichhold eine Auswahl von Baba Akikos Tanka übersetzt und erstmalig dem westlichen Publikum zugänglich gemacht. Enthalten sind hundert Tanka aus 16 Sammlungen der japanischen Dichterin, die die Jahre 1955 bis 1998 umspannen. Jedes steht auf einer eigenen Seite, die englische Übertragung oben, der japanische Wortlaut in rōmaji versetzt darunter, während zum Ende hin alle Tanka noch mal in japanischer Schrift und Leserichtung angefügt sind. Das Vorwort schrieb Amy V. Heinrich.

Baba Akiko, die 1928 in Tokio geboren wurde, studierte klassische japanische Literatur und legte vielbeachtete Studien zum Nō, zu Teufel in der japanischen Literatur und Kultur, sowie zur Tanka-Dichtung vor. Sie schrieb eigene Nō-Stücke, wurde eine feste Größe im zeitgenössischen Tankaleben Japans, erhielt zahlreiche Auszeichnungen und ist beliebt bei einem breiten Publikum. Der knappen, jedoch durchaus informativen Übersicht biografischer Daten ist zu entnehmen, dass Baba früh ihre Mutter verlor; ein Verlust, der sich in einigen Gedichten niederschlägt. Der Leser wird Zeuge ihrer Entwicklung, ihrer entschlossenen Suche nach einem Lebensmodell.

never knowing my mother
I did not become a mother
in a sunny place
a faceless creature
and I exchange smiles

being alone is fine
I am fine being alone
the white magnolia tree
tosses into the sky
several hundred blossoms

Wunderbar klar und flüssig lesen sich die Übersetzungen, was sicherlich auch dem glücklichen Umstand zu verdanken ist, dass sie aus der Zusammenarbeit zweier verdienter Tanka-Autoren und Herausgeber hervorgegangen sind. Über Babas Tanka heißt es im Vorwort, dass sie den lyrischen Charakter (und manchmal die Bildsprache) klassischer Tanka besitzen und Anklänge ans Nō zeigen, wo das Jenseitige in ihnen aufscheint.

Und tatsächlich singt Baba Akiko ganz selbstverständlich und leicht sowohl von den Lebenden als von den anderswo Träumenden. Mit einer sicheren lyrischen Stimme bildet sie mal mit klassischen mal mit modernen Motiven frische, treffende Verse. Ihre Gedichte sind ganz und gar Tanka dieser Zeit. Näheres zur Poetik der herausragenden Dichterin zu erfahren, wäre mir willkommen gewesen, aber letztendlich sprechen ihre Tanka, unter denen ich bei jedem Lesen mehr Favoriten finde, ganz für sich:

coming from afar
from another galaxy
some souls
are faintly white
dogwood flowers

since when?
unaware of such a thing
as an I.D. card
I go so very lightly
out and come back

Erstellt am 05.04.2006 ~ Zuletzt geändert am 24.05.2010

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