Im Frühling

In seinem Bau weit draußen im Wald, erwachte der Fuchs.

Ich bin der Fuchs, dachte er, ich sollte Listiges tun. Nun denn: Auf geht's. Und mit einem schelmischen Funkeln in den Augen trat er hinaus.

Noch im Morgengrauen wandte der Fuchs seine Schnauze nach Osten und ließ so den Himmel erröten: sein einfachster Trick, und nur für frühe Vögel, aber atemberaubend. Er witterte die Morgenluft und zog los. Überall, wo der Fuchs in seinem rotbraunen Fell auftauchte, begann die Welt zu strahlen.

Mit einer Bewegung seines Schweifs strich er die Stämme der Kiefern kupfern an und verlieh denen der Birken eine reizvolle Röte, sowie er vorbeiflitzte. Die ganze Nacht über waren sie dunkel und fahl gewesen und hatten nur darauf gewartet, dass der Fuchs ihre Pracht erneuerte.

Schaut her, riefen die Birken nun, sind wir nicht umwerfend? Ist es nicht zauberhaft? Vor lauter Stolz schwellten sie so sehr an, dass sich ihre Rinde prompt abschälte.

Ja, zauberhaft! grinste der Fuchs. Und fort war er, auf zum Moor, wo er seine Tatze ins bräunliche Wasser tunkte. Dünne Wolkenstreifen erschienen auf dessen Oberfläche und tönten sie violett, dann rosa, bis sie schließlich verblassten.

Habt ihr das gesehen? zwitscherten die Vögel. Er gebietet dem Himmelreich: Es liegt ihm zu Füßen!

Und ob! grinste der Fuchs. Und fort war er, um die Farbe und den Glanz der Vögel hervorzuzaubern, und das Rostrot – oder war es Karmesin? – im Genick des Kaninchens. Dann schlummerte er ein Weilchen und streifte weiter umher, bis es an der Zeit war, für seine eindrucksvollste Darbietung den nahen Hügelrücken zu erklimmen: Nur mit den Ohrenspitzen entfachte er dort die Glut der Abendsonne. Ein Jammer, dass er da oben die vielen Begeisterungsrufe nicht hören konnte.

Wie er so saß und auf sein sich langsam verdunkelndes Revier hinunterblickte, geriet der Fuchs ins Grübeln.

Im Winter
lieb ich's zu tändeln
mit Fähen,
im Sommer säumen
Beeren meinen Weg

Junge erfreuen
im Frühling mein Herz,
aber ist's Herbst,
bleibt mir ach! nur ein Fell,
das die müden Knochen wärmt

So dachte der Fuchs bei sich, als er im Zwielicht die Vögel zu ihren Nestern fliegen sah. Und wie er zu seinem Bau eilte, beschloss er, der Sonne einiges zu übertragen.

Erstveröffentlichung als "In Spring" in
Poem Tales
, Koyama Press 2010
Aus dem Englischen von Ingrid Kunschke

Erstellt am 24.05.2010

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